Der neue Trainer vom FCG – Frederic Prackwieser im Interview

Manch einer von euch ist ihm vielleicht schon in der Halle begegnet, für andere mag der Name und das Gesicht noch ganz neu sein. Frederic Prackwieser ist als Trainer neu zum Fecht-Club Grunewald dazu gestoßen. Hier trainiert er Montag und Mittwoch nachmittags unsere Jüngsten im Florett

Um den Neuzugang im Trainerregiment einmal besser kennen zu lernen, haben wir Frederic interviewt. Das Ergebnis könnt ihr nun hier lesen:

Stell dich doch einfach mal kurz vor: Wer bist, woher kommst du? Seit wann bist du in Berlin? 

Ich heiße Frederic Prackwieser und bin 25 Jahre alt. Geboren bin ich in der Nähe von Hamburg, aber als Kind mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Kassel gezogen und dort aufgewachsen. Vor ungefähr viereinhalb Jahren bin ich zum Studieren nach Berlin gekommen

Womit verbringst du so deine Zeit, wenn du nicht gerade fechtest?

An der FU Berlin studiere ich Bioinformatik und bin mittlerweile im Master angekommen. Daneben arbeite ich noch bei der Chance GmbH und habe dort verschiedene Kurse in Programmieren und Chemie für Auszubildende.

Wann hast du angefangen zu Fechten und wie bist du zum Fechten gekommen?

Als wir aufs Land nach Kassel gezogen sind, da war ich ungefähr acht Jahre alt. Die Idee mit dem Fechten hatte eigentlich eher meine zwei Jahre ältere Schwester und wir haben zusammen beim KSV Baunatal angefangen. Wirklich ehrgeizig wurde ich aber erst, als ich als Jugendlicher nach ein paar Monaten in Kanada nach Deutschland zurück kam und mit einem neuen Trainer trainiert habe.

Lieblings Waffe?

Meine Lieblingswaffe ist natürlich Florett.

Hast du Erinnerungen aus deinen jungen Fechter-Jahren, an die du besonders gerne zurück denkst?

Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir tatsächlich mehrere schöne Erinnerungen ein. Meine schönste Erinnerung ist möglicherweise etwas ungewöhnlich. Als ich achtzehn Jahre alt war, haben wir zusammen mit Freunden einen eigenen Fechtclub gegründet. Wir haben dafür einen Fruchtboden einer alten Scheune komplett entrümpelt und renoviert. Wir leben zwar heute in unterschiedlichen Teilen von Deutschland und die Halle ist für das Dorf eine Art Partyraum geworden, aber wir treffen uns immer noch ein paarmal im Jahr und trainieren dort.

Wie bist du auf den FCG aufmerksam geworden?

Den FCG kannte ich natürlich schon länger und habe vor allem Marina, Genna und Marian in den letzten Jahren oft auf Turnieren getroffen. Ab und zu habe ich in den letzten Jahren auch bei Marina und Genna trainiert und ein paar Kinder kenne ich auch von den Kinder- und Jugendturnieren. Nachdem ich bei Südwest aufgehört hatte, war ich nicht sicher, überhaupt weiter fechten zu wollen, geschweige denn als Trainer zu arbeiten. Hatte mich dann aber entschieden, es noch einmal ganz woanders bei Rotation Berlin zu versuchen und es hat mir wieder Spaß gemacht. Vor ungefähr zwei Monaten hat dann Marian beim OSC-Turnier erzählt, dass Marina aufhören werden wird und ob ich es mir vorstellen kann, Genna zu helfen.

Was hat dich dazu gebracht vom Fechter den Sprung auf die andere Seite zu machen und auch zu trainieren?

Im Jahr 2014 bin ich als Fechter zum FCB Südwest gewechselt. Zu dieser Zeit habe ich auch relativ oft gefochten. Am Anfang bin ich nur ab und zu als Obmann auf Kinderturniere mitgefahren und habe nicht wirklich daran gedacht, Trainer zu werden. Irgendwann hat der Verein dann einen Übungsleiter gesucht und sie haben mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte. Weil ich eher introvertiert bin, war ich mir am Anfang nicht sicher, ob ich es tatsächlich hinkriege, aber nach einer Weile hatte es ganz gut geklappt und ich war sehr glücklich damit.

Leider habe ich dort auf eine traurige Art gelernt, dass „nicht wegsehen“ manchmal bedeuten kann sich sehr unbeliebt zu machen.

Gibt es etwas, worauf es dir besonders ankommt, wenn du als Trainer in der Halle stehst?

Mir ist es sehr wichtig, dass die Atmosphäre beim Training immer positiv ist und jeder Freude hat, bei dem, was er tut.

Hast du eine bestimme Philosophie, nach der du dein Training aufbaust?

Schüler, die ich trainiere sollen persönlich stärker werden und verstehen, dass es nicht darum geht, keine Fehler zu machen. Fechten ist für mich ein kreativer Sport und Sportler müssen auch eigene Ideen haben. Ohne solide technische Grundlagen geht es aber definitiv nicht.  Fechten ist ein athletischer, aber auch asymmetrischer Sport und deshalb ist physisches Training ebenfalls sehr wichtig.

Was erhoffst du dir mit deinen neuen Schützlingen vom FCG zu erreichen?

Bei den jüngeren Kindern wünsche ich mir, dass sie alle wichtigen sportliche Grundfertigkeiten lernen, um ihnen zu ermöglichen gute Sportler zu werden und eine Leidenschaft für das Fechten zu entwickeln. Von den etwas älteren erhoffe ich mir dazu, dass sie beginnen zu verstehen, dass Fechten sehr viel mehr ist als Freigefechte und Beinarbeit. Sie sollen den Unterschied kennen zwischen Leistungssport und Breitensport und dass es keinen „Guru“ gibt, der immer Recht hat.

Natürlich träume ich davon, dass es beim FCG in der nächsten Zeit mehr erfolgreiche Florettfechterinnen und Florettfechter gibt.

Leider kam es schon häufiger im Sport zu Vorfällen in denen Trainer ihre Machtposition ausgenutzt haben und dies zu sexuellem Missbrauch führte. So wurde nun auch vor kurzem solch ein Fall aus dem Trainingszentrum Tauberbischofsheim bekannt. Fälle dieser Art sind immer erschreckend und traurig, ganz besonders, wenn es quasi aus der eigenen Gemeinschaft kommt. Hat dich dieser Fall noch einmal anderes getroffen, wo auch du als Trainer im Fechten aktiv bist?

Einerseits hat es mich getroffen, weil ich die beschuldigte Person kenne und mit ihr sogar einmal über ein ähnliches Thema in einem anderen Zusammenhang gesprochen habe. Dazu habe ich selber bereits Trainer erlebt, die ihren Schülern bewusst das Gefühl gaben, diese seien von ihnen (den Trainern) abhängig, teilweise sogar mit materiellen „Geschenken“. In solch einem Umfeld kann niemand wirklich wissen, was daraus resultiert. Ein seriöser Verein sollte dementsprechend so etwas nicht zulassen. Es ist allgemein bekannt, dass ein intransparenter Verein unseriöse Menschen anzieht.

Vielen Dank Frederic, für dieses nette Interview! Und wer Frederic persönlich kennenlernen möchte, muss montags oder mittwochs zwischen 16 Uhr und 19.30 Uhr bei uns in der Halle zum Training vorbeischauen.

(FCG)