Nachruf zu unserem Freund Rolf Budde

Rolf Budde starb am 13.04.2018 im Alter von 61 Jahren. Sein Tod löste bei uns große Betroffenheit aus. Mehr als 600 Trauernde, darunter Mitglieder unseres Vereins, begleiteten ihn auf seinem letzten Wege.

Wer war Rolf Budde? Tausend Antworten fallen mir dazu ein: Zuallererst, uns verband eine Freundschaft, eine intensive Zusammenarbeit und die Liebe zum Fechtsport. Und er war unser Präsident und Ehrenpräsident.

Um ihn zu beschreiben, möchte ich ihn zitieren. Auf dem 55. Stiftungsfest des FCG erinnerte er an für ihn zwei bedeutende Momente während seiner damals 30jährigen Mitgliedschaft: seine Erstbegegnung im FCG und die Erstbegegnung mit den Spitzenfechtern aus Ostberlin direkt nach dem Mauerfall. Ich möchte mich auf die erste Begegnung konzentrieren:

Im Sommer 1975 betrat ein junger Mann mit seiner Freundin unsere Fechthalle und setzte sich auf die Bank. Ich sprach sie beide an, informierte sie über unseren Verein, dann holte Rolf seine Sportsachen und wir starteten mit der ersten Beinarbeit. Auch bekam er einen Säbel in die Hand gedrückt. Das dabei vermittelte Säbelgefühl begleitete ihn sein gesamtes Fechterleben, er wurde ein begeisterter Säbelfechter.

Am 01.11.1975 trat er in den FCG ein, nicht ohne zu erwähnen, weswegen er bei uns Mitglied wurde. Er hatte bei verschiedenen Vereinen vorgesprochen und fühlte sich bei uns sofort heimisch. Die Verbundenheit hielt sein ganzes Leben lang. Und so war er: nichts dem Zufall überlassen, analysieren, abwägen und entscheiden. Die Art, wie der Jurastudent Probleme erkannte, anpackte und immer das direkte Gespräch suchte, war beeindruckend.

Sein erstes Engagement war die Vereinszeitung, für die er nun verantwortlich war. Das Druckverfahren und die Bestückung der Zeitung mit Fotos wurden verbessert. Hier begann unsere über viele Jahre währende gemeinsame Arbeit für den FCG. So hatte ich ausreichend Gelegenheit, ihn über unseren Verein mit allen seinen Facetten zu informieren. Als Kommunikationsfreudiger war er schnell bereit, die Arbeit des Pressewartes zu übernehmen. Noch nie hatten wir eine derartige Außenwirkung.

In dieser Zeit hatte der FCG eine sportlich wunderbare Entwicklung, nur der Kontakt mit dem Berliner Fechterbund war sehr enttäuschend. So zeichnete sich in 1978 die Möglichkeit ab, dass Dagobert Remuss, unser amtierender Präsident, für den BFB kandidieren wollte, um mit anderen Gleichgesinnten eine neue Zeit im BFB einzuleiten.

Doch wer wird unser Präsident? In Gesprächen diskutierten Rolf und ich die Möglichkeit der Übernahme dieses Postens durch ihn. Und das mit seinen 22 Jahren.

Rolf wurde gewählt. Er hatte uns alle durch seine bisherige Arbeit im Vorstand überzeugt. Und nun begann die stärkste Entwicklung, die der FCG je hatte.

Es war sicherlich für Rolf nicht das Abenteuer, sondern die Herausforderung, die vielfältigen sachlichen und menschlichen Probleme so zu bewältigen, dass breiten- und leistungsorientierte Fechter sich in unserem Verein wohlfühlten. Fechten soll Spaß machen. Sein Ziel war es, durch Information und Delegieren die Arbeit im Vorstand effektiver zu machen. Es gab keine Geheimnisse, auf allen Vorstandssitzungen wurden Informationen über vereinsinterne und -externe Aktivitäten ausgetauscht. Jeder war so in der Lage, auch über seinen Fachbereich hinaus Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und sie auch mitzutragen. Die erstellten Protokolle wurden zur Information aller ans „Schwarze Brett“ ausgehangen. Traten Probleme auf, wurden sie sofort angepackt, wenn nötig, fielen auch harte und klare Worte, aber nie anmaßend und verletzend. Er wurde immer mehr der Manager, der das große Ganze im Auge hatte, wohl wissend, dass die Basisarbeit gut strukturiert sein und unterstützt werden musste. Er dachte und wagte Neues.

Finanzielle Engpässe durch gekürzte Fördermittel wurden schnell diskutiert, Maßnahmen eingeleitet, auch wenn sie nicht allen gefallen hatten. Dazu gehörten Trainerstraffung und Überprüfung aller Etatposten. So waren wir in der Lage, wieder einen eigenen Vereinsbus anzuschaffen. Das führte zu erneuten Spannungen mit dem BFB, der nunmehr beschloss, seinerseits einen Bus zu erwerben, obwohl seine Kassenlage negativ war. Gegen eine Umlage wehrten wir uns gerichtlich mit Erfolg.

Die steigenden Mitgliederzahlen und die sportlichen Erfolge auf Bundesebene machten es notwendig, die Trainer auf die gemeinsame Trainingsarbeit einzustimmen. Es war wichtig, die Interessen breiten- und leistungssportorientierten Fechter zusammenzufügen. Durch die Schaffung eines Koordinators konnte die Kommunikation zwischen Trainern und Vorstand optimiert werden. Dazu gehörte auch die Benennung von Fachwarten je Waffe neben dem Posten des Sportwartes.

Die Installation von zwei Turnieren auf Bundesebene, dem „Frühjahrsschwert“ und dem „Herbstschwert“ des FCG, mit hochqualifizierter deutscher und ausländischer Beteiligung, ging auf ihn zurück. Dazu waren, wie in vielen anderen Fällen, Gespräche mit dem Deutschen Fechter-Bund, dem LSB und dem Bezirk notwendig.

Eine für den Verein einschneidende Veränderung ergab die Kündigung des Landestrainers durch den BFB. Der Landestrainer, der zusätzlich bei uns bereits einige Stunden arbeitete, erwartete eine volle Arbeitsstelle durch den FCG. Das konnten wir aus finanziellen Gründen nicht anbieten mit der Konsequenz, dass er und zwei weitere Trainer einen neuen Verein gründeten. Sie nahmen einige unserer hochqualifizierten Sportler mit. Diese Situation konnte nur ein Manager und Macher wie Rolf so gestalten, dass wir mit der Anstellung von Andrzej Ewertowski gestärkt die sportliche Zukunft anpacken konnten.

Etwas ganz Neues wagten er und wir mit der Installation eines Teilzeitinternats am 15.03.1989. Auch hier waren viele Gespräche mit dem DFB, LSB, dem Senat und dem Bezirk notwendig. Der letztere half uns bei der Suche nach einer neuen Sportstätte und deren Ausgestaltung. Leider beteiligte sich der Senat mit keiner Form der Unterstützung, so dass das in Berlin einmalige Experiment nach einigen Jahren aus finanziellen Gründen aufgegeben werden musste.

Parallel zum TZI planten wir mit Hilfe des Senats den Erwerb eigener Vereinsräume am BSC-Sportplatz. Dafür mussten aber finanzielle Belastungen erbracht werden. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung stimmte zu 100 % dem Vorschlag zu und beauftragte den Vorstand zu weiterführenden Gesprächen. Leider flossen keine Spenden von Vereinsmitgliedern in das Projekt, so dass es aufgegeben werden musste.

1986 signalisierte Rolf, dass seine freien zeitlichen Kapazitäten nicht mehr ausreichen würden, um den FCG verantwortlich zu führen. Er hatte bereits eine Familie gegründet und war Vater von zwei Kindern, trat mit seinem Bruder in den Musikverlag seines Vaters ein und war auch überregional tätig. Wir waren geschockt, schlugen aber ein „Entlastungsmodell“ vor, das er für zwei weitere Jahre akzeptierte. Ulrike Dönselmann wurde verantwortlich für das Vereinsinterne und Rolf für das Vereinsexterne.

Im Februar 1990 endete dann die so erfolgreiche Arbeit von Rolf. Es war eine wunderbare Zeit mit ihm. Die Vereinszeitung wurde mehrfach ausgezeichnet, über die Scheckheftaktionen kamen neue Mitglieder, wir gehörten zweimal zu den zehn sportlich erfolgreichsten Vereinen des DFB, wir hatten Weltranglistenfechter, Deutsche Ranglistenfechter und diverse Deutsche Vizemannschaftstitel, wir wurden oft vom Senat für die beste Jugendarbeit geehrt und übernahmen vom BFB die alleinige Verantwortung für die Durchführung des Turniers „Weißer Bär“.

Lieber Rolf, die Erinnerung an deine Dynamik, deinen Witz, deinen Humor und deine Überzeugungskraft werden den Verein weiterhin begleiten. Danke für alles.

(Puma)